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Eine Reise mit dem Motorrad nach und durchMarokko

Vorweg, diese Reise fand 1999 statt und jetzt schreiben wir 2012. Vieles ist inzwischen sicher anders und eine Reiseseite, die über 10 Jahre nach der Reise erstellt wird erhebt keinerlei Anspruch auf Aktualität.

Warum mache ich sie dann?
Weil ich dieses Projekt schon seit Jahren machen wollte und weil viele schöne Bilder entstanden sind, die jetzt endlich digitalisiert wurden. Nicht zuletzt, weil ich noch oft an die Erlebnisse auf dieser Tour zurück denke.

Mir ist klar, dass die wenigsten Menschen den folgenden Text überhaupt lesen. Das macht gar nichts! Wenn Sie sich nur bei Bildern entspannen möchten, dann klicken Sie HIER oder auf das Bild mit dem Schriftzug Marokko. Es öffnet sich dann die Bildergalerie in einem neuen Fenster. Viel Spaß damit.

Für diejenigen, die sich für die Geschichte zu den Bildern interessieren geht es jetzt weiter ;-

Was trieb uns 1999 dazu auf eigene Faust mit dem Motorrad nach Marokko zu reisen? Die pure Abenteuerlust. Nach Touren durch Griechenland, Frankreich und die Alpen, hatten wir unsere “normalen” Maschinen gegen 2 Reiesenduros getauscht. Nun, wenn man also eine neue, reisetaugliche Enduro sein Eigen nennt, kommen Gedanken auf, was man damit so erkunden könnte. Es wurden große Pläne geschmiedet, die Idee von einer Fahrt über den Balkan, Türkei, Syrien bis Haifa und von dort mit dem Schiff zurück nach Italien kam auf. Am Ende siegte die Vernunft und wir wollten erst einmal eine “einfache” Tour auf den Afrikanischen Kontinent wagen.

So ging es dann auf Richtung Spanien bis ins andalusische Almeria. Dies allein ist eine Tour von ca. 2200 Kilometern! Im Rückblich völliger Unsinn. Bis ins französische Narbonne geht ein Autoreisezug, das hätte die Fahrt erheblich verkürzt. Auch von Italien gehen Fähren nach Marokke. Maut und Benzin für 2 Maschinen waren am Ende teuerer als die große Fährfahrt.

Von Almeria geht eine Schnellfähre nach Melilla in Marokko. Wenn ich mich richtig erinnere, dauert die Überfahrt ca. 4 Std. In Melilla angekommen, betritt man eine neue Welt. Ich möchte hier nicht im Rückblick jeden einzelnen Tagesverlauf aufschreiben. Eher meine Eindrücke schildern, die zwischen Faszination, Begeisterung, und Abwehr liegen. 

Die Straßenverhältnisse - waren gut. Um eine Reise durch Marokko zu unternehmen, bedarf es keiner Enduro. Wir hätten mit jedem anderen Motorrad fahren können. Einzig, wer mit der Maschine in die Wüste will, ist mit einem Supersportler oder einem Chopper nicht gut beraten. Auch mit der Benzinversorgung gab es keine Probleme. Selbst im Süden im letzten Ort vor der Wüste gab es eine Tankstelle. Auch das Bezahlen mit Kreditkarte war möglich. Was für uns völlig neu war und jedes Mal Unbehagen auslöste, waren die vielen

Straßensperren. Vor der Einfahrt in einen Ort gab es immer eine Straßensperre. Die Polizei hatte sich mit ausziehbaren Nagelbrettern positioniert und kontrollierte jedes Fahrzeug. Die Sperren sahen wie liegede Jägerzäune aus, mit nach oben zeigenden Spießen. Mit einem Seil konnten die Polizisten die Sperre blitzschnell aufspannen falls jemand hätte durchrasen wollen. Natürlich waren die Polizisten sichtbar bewaffnet. Und natürlich mussten wir so vor jedem Ort unsere Helme abnehmen und die Papiere zeigen. Auf Nachfrage wurde erklärt, dass dies nötig sei wegen der vielen illegalen Einwanderer aus Mauretanien. Oft wurden wir über unsere Maschinen ausgefragt und ich wurde bestaunt weil ich als Frau so eine große Maschine fahre. Leider erhielt ich nie die Erlaubnis so eine Straßensperre zu fotografieren.

Armut - was ist Armut und wen definieren wir als arm? Rein nach unseren Maßstäben und rein materiell betrachtet waren dort die meisten Menschen arm. Trotzdem hat sich meine persönliche Sichtweise für Arm und Reich auf dieser Reise verändert. Wir haben viele Menschen gesehen, die von der Hand in den Mund leben. Viele können nicht planen was morgen oder in einem Jahr sein wird. Da sitzt ein Junge auf dem Markt, vor sich eine leere Obstkiste mit einem geschlachteten Huhn darauf. Mit einem Wedel hält er die Fliegen fern. Verkauft er das Geflügel, kann er etwas kaufen, was seine Familie nicht im eigenen Garten hat. Verkauft er es nicht, gibt es vermutlich Hühnchen zum Abendessen. Wir haben Menschen getroffen, die auf unsere Antwort, wir kämen aus Deutschland, keine Regung zeigten. Sagten wir, wir kämen aus Melilla, staunten sie über die weite Reise. Viele sind im Leben nicht weiter gereist als in die nächst größere Stadt. Die Läden und Werkstätten wirken in unseren Augen primitiv. Aber: hier wird noch gehandwerkt. Viele kleine Läden und Werkstätten bieten viele kleine Jobs. Die Menschen werden nicht reich, kommen aber über die Runden. Jenseits dieser, für unsere Verhältnisse, Armut haben wir einen unglaublichen

Reichtum  - an Gemeinschaft und Lebensfreude gesehen. Die Menschen lachen viel und sind freundlich. Wenn ich die grimmigen und verschlossenen Gesichter in einer deutschen Fußgängerzone anschaue, denke ich unwillkürlich an die offenen und lächelnden Menschen in Marokko zurück. Bei uns gehen die Menschen nach der Arbeit nach Hause. Gegen Abend verwaisen die Städte weil sich jeder allein vor seinen Fernseher oder Computer setzt. Man kennt seine Nachbarn nicht und selbst die Verwandtschaft ist sich oft fremd. Wie sind wir arm gegen die Marokkaner mit ihren funktionierenden Familien und den geselligen Abenden auf den zentralen Plätzen!  Gegen Abend kann man beobachten, wie die Menschen den Marktplätzen zustreben. Garküchen und fliegende Händler ziehen auf. Nach Sonnenuntergang sind die Plätze voller Menschen, es wird gespielt, geredet und gegessen. Man kann auch als Fremder schnell Kontakt herstellen. Die Leute freuen sich, wenn Fremde sich ehrlich für ihr Leben interessieren. Wir haben von Deutschland erzählt, wo immer mehr Menschen als Single leben, das kann dort niemand verstehen, allein die Vorstellung so leben zu müssen macht Angst. Es lohnt sich also, danach zu schauen was die Menschen dort haben statt nur zu sehen, was sie nicht haben.

Schnorren - Wir wurden an jeder Ecke angesprochen. Zwischen den Einheimischen fallen Touristen immer auf. Es gibt jede Menge arbeitslose junge Männer, die jede Gelegenheit beim Schopf fassen um ein paar Cent zu verdienen oder wenigstens eine Zigarette zu schnorren. Ein Erlebnis von vielen ähnlichen: Die Strecke von Errachidia nach Erfoud ist einsam. Dort haben die Leute keine eigenen Autos um damit zum Spaß durch die Gegend zu fahren. Es gab weit und breit keine Häuser und keine Verkehr. An einer Stelle mit herrlichem Ausblick auf das grüne Tal des Ziz blieben wir stehen um Fotos zu machen. Wie aus dem Nichts tauchte ein Mann auf und fragte nach Zigaretten! An einer Trinkbude viele Kilometer weiter wurden wir ebenfalls sofort angesprochen. Ob wir Teppiche kaufen wollten? Nachdem wir endlich klar gemacht hatten, dass wir ganz bestimmt einen Teppich kaufen, wurden wir gefragt, was wir den wohl kaufen würden. Nun, eigentlich wollten wir gar nichts kaufen aber wir wollten gern die Wüste sehen. Prompt bekamen wir die Visitenkarte von einem Verwandten, der ein Hotel in der Wüste betreibt.... Bei der Einfahrt in eine Größere Stadt kam immer jemand angerannt und wollte sich als Führer anbieten. Praktisch war, dass wir so auch immer jemanden hatten, den wir nach einem Campingplatz oder einem Hotel fragen konnten.

Abschlepper - richtig mulmig wurde mir, wenn ich den Eindruck hatte, man wolle uns irgend wo hin locken. Vielleicht war es wirklich nur Freundlichkeit oder normaler Geschäftssinn, aber bei solchen Gelegenheiten haben wir mehr oder weniger die Flucht ergriffen. In einem Ort wurden wir im Restaurant von 2 jungen Männern angesprochen. Angeblich boten sie Fahrten in die Wüste mit Übernachtungsmöglichkeit in einem Wüstenhotel an. Dies war an dem Abend, nachdem wir jemandem, der uns an der Strecke angesprochen hatte, erzählt hatten, dass wir in die Wüste wollten. Die Männer zeigten uns Bilder vom Hotel und boten an, unser Gepäck und die Motorräder solange für uns unterzubringen. Während des ganzen Abends ließen die beiden nicht von uns ab  und uns war diese Aufdringlichkeit einfach zu viel. Also behielten wir uns vor, darüber zu schlafen und verzogen uns ins Hotel. Natürlich wollten wir nicht unsere komplette Ausrüstung irgendwo lassen und standen sehr früh auf um weiter zu fahren. Scheinbar hatten die beiden vor dem Hotel übernachtet, jedenfalls wollten sie uns nach Merzouga begleiten. Bei allem Verständnis für den Geschäftssinn dieser Leute, uns war das zu viel und wir lehnten die Begleitung ab. Bei der Ankunft in Merzouga warteten die beiden schon mit einem gemieteten Jeep auf uns!!!! Als wir vor einem wirklich noblen Hotel anhielten und dort um Hilfe baten, hatten wir endlich Ruhe vor den beiden. Natürlich hatte auch dieses Hotel jemanden, der Touristen als Führer zur Verfügung stand. Ich habe Verständnis dafür, dass die Menschen an den Touristen etwas verdienen möchten. Die Hartnäckigkeit mit der sie dabei vorgehen ist aber nur schwer auszuhalten und dabei freundlich zu bleiben. Am schlimmsten war es in Merzouga und Fes. Fes ist berühmt für seine alte und verwinkelte Medina und Merzouga ist Ausgangspunkt für Touren in Marokkos einzige Sanddünen Wüste. Hier konnte man kaum einen Schritt tun, ohne irgend etwas angeboten zu bekommen. Eine

Führung - durch die Medina ist ratsam. Allein würde man sich in den engen und verwinkelten Gassen nur verlaufen. Zudem kennen die Führer die Sehenswürdigkeiten, die man allein vermutlich gar nicht finden würde. Die Führer verdienen natürlich an der Führung, für die man bezahlen muss. (ist ja auch logisch) Zum Anderen verdient der Führer durch Provisionen. Man wird garantiert in ein Teppichmuseum geführt. Dieses Museum ist eigentlich ein Teppichhandel. Man erfährt etwas über die Herstellung, Ziel ist es aber, Teppiche zu verkaufen. Gelingt das, bekommt der Führer eine Provision. Das gilt auch für Lederwarenläden oder Restaurants. Unser Führer in Fes führte uns in ein märchenhaftes Restaurant. Das Essen und die ganze Aufmachung waren ein Erlebnis. Der Preis war am Ende so, wie in einem guten Restaurant hierzulande. Für Marokkanische Verhältnisse war es sehr teuer. Ich denke noch gern an dieses Essen zurück, es war einer der Höhepunkte auf dieser Tour.

Wüste - wenn wir an eine Wüste denken, dann denken wir an die Sanddünen der Sahara. In Marokko ist nur ein ganz kleiner Teil der Wüste eine Sandwüste. Der Rest sind Stein- und Felswüsten. Eine malerische Dünenlandschaft wie auf dem Banner zu dieser Seite gibt es nur im Erg Chebbi. Dieser kleine Streifen ist nur ca. 5 Kilometer breit und ca. 20 Kilometer breit. Das Touristische Zentrum ist Merzouga. Von hier werden Touren ins Erg Chebbi angeboten. Man kann Jeepfahrten machen und in so genannten Wüstenhotels übernachten. Das Wort Hotel darf man aber nicht zu wörtlich nehmen. Sagen wir, es gibt dort die Möglichkeit zu übernachten. Leider hatten wir keine Gelegenheit uns darauf vorzubereiten. Durch den Vorfall mit den Schleppern hatten wir auch Angst unsere Sachen irgendwo zurück zu lassen. Ich war dann auch noch 2 Tage krank und die Zeit wurde knapp. Sollte ich jemals wieder die Gelegenheit haben, würde ich die Nacht in der Wüste auf keinen Fall noch einmal auslassen.

Sicherheit - Bitte berücksichtigen, dass die Reise über 10 Jahre zurück liegt! Es gelten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen. Man sollte keinen “Reichtum” zur Schau stellen. Wir hatten unser Bargeld am Körper und die Kameras in unauffälligen Taschen. Vor Übernachtungen außerhalb von Hotels oder Campingplätzen wird/wurde dringend abgeraten. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man nicht auf der Straße unterwegs sein. Es gibt außerhalb der Städte keine Beleuchtung und umherlaufendes Vieh macht nächtliche Fahrten gefährlich. Es schlafen auch Menschen im Gebüsch! Die Marokkaner sind freundlich und haben ihren Platz im Leben mit der Familie. Es gibt aber auch umherziehende Fremde, die wirklich gar nichts besitzen. Unser von weitem sichtbarer Reichtum stellt da sicher eine Versuchung dar. Auch in deutschen Großstädten würde ich des Nachts nicht in allen Bezirken herumlaufen... In Marokko gab es damals keinen muslimischen Extremismus. Da in dieser Hinsicht in den letzten Jahren viel los war, weiß ich nicht ob das heute noch gilt. Voll verschleiterte Frauen haben wir nur ganz vereinzelt gesehen. Frauen in Marokko arbeiten und studieren. Es ist also kein Problem als Frau dort zu sein. Allerdings sollte man bei der Wahl der Kleidung die ethischen Werte der Einheimischen nicht verletzen. Auch Männer können es sicher ertragen lange Hosen zu tragen. Den Oberkörper wenigstens mit einem T-Shirt zu bekleiden sollte auch kein zu großes Opfer sein. Frauen sollten Schultern und Knie bedeckt haben. Ein langer Rock ist bei der Hitze gut zu tragen. Auch Jeans und T-Shirt gehen in Ordnung. Touristen in Strandbekleidung werden auch schon mal aus dem Hinterhalt mit Steinen beworfen.

Vorbereitung - Die beste Vorbereitung auf eine Marokkoreise ist, sich vorher mental auf die “Anmache” vorzubereiten. Dieser Punkt war für uns damals am schwierigsten. Wir hatten uns um alles Mögliche im Vorfeld Gedanken gemacht, uns Karten schicken lassen und nach Tankstellen geforscht. Was aber in keinem Reiseführer stand war die Aufdringlichkeit von Verkäufern und selbst ernannten Fremdenführern! Heute könnte ich damit viel besser umgehen, weil ich weiß dass es mich erwartet.

Camping - Campingzeug mitzunehmen lohnt nicht. Bewohnbare Campingplätze gab es nur in Fes und Meknes. An allen anderen Orten mussten wir das ganze Gepäck nutzlos ins Hotelzimmer schleppen. Es wäre einfacher gewesen mit kleinem Gepäck zu fahren. In jedem Ort gibt es ein Hotel. Die Campingplätze zu finden war sehr schwierig, weil nur wenig Einheimische sie kannten. Wo ein Hotel ist, kann einem jeder sagen. Die Preise waren niedrig, es gab immer warme Duschen. Von “wildem” Camping wird dringend abgeraten.

 

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