Mikolajki (Nikolaiken) - 
Pisz (Johannisburg) - Elk (Lyck)
Rollover-Test02 Rollover-Test03

17.7.
Die Strasse zur Fähre nach Popielno wird nach wenigen hundert Metern zur unbeschilderten Sandpiste. Der Weg ist so holprig, dass wir immer wieder aus dem Sattel müssen, um unser Material zu schonen. Es geht durch dichten Wald und die vielen Mücken freuen sich über dieses unerwartete Frühstück. Kein Schild weist an einem der Abzweiger den Weg. Ich stoppe ein einzelnes, aus dem Wald auftauchendes Auto und frage nach der Fähre. Als wir wenig später trotzdem sicher sind uns verfahren zu haben, taucht der Bootsanleger vor uns auf.

In Popielno sehen wir hübsche masurische Holzhäuser. Die zoologische Forschungsanstalt hat eine Führung zur einzigen Bieberzucht Polens leider erst in einer Stunde zu bieten, was wir ablehnen, weil wir nicht in der sengenden Sonne eine Stunde warten wollen. Die anschliessende Fahrt durch das Wildreservat ist zwar landschaftlich wunderschön, die Strasse ist jedoch extrem schlecht und daher kräftezehrend.

Kleine Fähre nach Popielno.

Masurisches Holzhaus in Popielno.

Kein Museum, hier wird gelebt und gearbeitet!

Rüttelpiste

Das Rathaus von Pisz mit dem schönen Park.

Sonnenuntergang bei Camp Pisz.

Unsere heutige Etappe führt schon durch die Puszcza Piska (Johannisburger Heide ). Heide bezeichnet hier allerdings nicht die uns bekannte Heide, sondern einen zusammenhängenden Wald. So viel Wald ist schon beeindruckend, aber ich bevorzuge doch eher abwechslungsreichere Gegenden mit sichtbarem Horizont.

Das als "touristisches Zentrum" beschriebene Ruciane-Nida (Niedersee) entpuppt sich als Ansammlung von Buden und Ständen mit Touristenware und auf Gruppen eingestellte Restaurants. Hätten wir das vorher gewusst, müssten wir nicht die Nationalstrasse 58 nach Pisz nehmen. Diese Verbindung ist der blanke Horror. Nachdem mal wieder einige LKW ohne Sicherheitsabstand vorbei gedonnert sind, freuen wir uns über die Möglichkeit einen kleinen Umweg über Wiartel nach Pisz zu fahren. In den Dörfern an diese Nebenstrecke sehen wir noch viele Holzhäuser und sogar einen ganzen Hof aus Holz, vor dem gerade ein Pferdewagen mit Heu beladen wird.

Die heutigen 36 Grad wie auch die schlechten Strassen haben unsere Kräfte schnell verbraucht. Wir rollen nach nur 54 km auf dem "Camp Pisz" ein und verbringen den Nachmittag am Badestrand.
(19 Zl. viele Gruppen, Disco.)


18.7.
Nach 88,7 km und Temperaturen jenseits von 30 Grad, liege ich recht geschafft im Zelt. Die Etappe hatte, mir Ausnahme der herrlichen Landschaft nicht viel zu bieten. Nachdem wir die ersten 20 km auf der Hauptstrasse nur schnell abspulen wollten, konnten wir uns anschliessend das einfache Leben auf den Dörfern anschauen. Hier ist das Pferd noch zum Arbeiten da und als Hobbyobjekt bestenfalls in touristischen Anlagen zu finden.

Solche lagen jedoch nicht auf der heutigen Strecke. Wir sahen viele trostlose Orte mit grauen Häusern und schreckliche Wohnblocks, in grauer Plattenbauweise schnell hochgezogen um billigen Wohnraum zu schaffen. Die Männer hocken in solch abgelegenen Orten am Strassenrand und trinken Bier; für Wodka reicht es wohl nicht. Die Perspektivlosigkeit solcher Menschen zu erleben macht sehr nachdenklich, wir realisieren viel zu oft nicht, wie gut es uns geht.

In Ostrykol sehen wir eine alte masurische Holzkirche von 1667. Ein imposanter Bau, den von innen zu erkunden uns leider vorenthalten bleibt, denn die Kirche ist verschlossen. Vor der Kirche stehen 2 riesige Eichen, deren gewaltige Stämme schon von Eisenringen gestützt werden.

Hinter Elk verspricht das Schild eines Hotels eine Campingmöglichkeit. Vordem Eingang spricht uns ein freundlicher Herr an und zeigt uns den Platz. 13 Zloty sollen wir für die Nacht zahlen, Duschen gibt es im Hotel. Obwohl es recht uneben ist, bauen wir auf, denn wir sind einfach total geschafft und ein anderes Camp ist nicht in Sicht. Als wir zum Bezahlen, und vor allem zum Duschen, zur Rezeption gehen, erklärt man uns, dass dies ein Hotel sei, zelten sei nicht möglich! Mittlerweile ist der nette Herr natürlich verschwunden aber ich lasse mich nicht abwimmeln. Der wenig Deutsch sprechende Rezeptionist ruft seinen englischsprachigen Kollegen. Ich überzeuge ihn, dass wir bereits zelten und er rückt endlich den Schlüssel für die Dusche raus. Anschliessend verlangt er 30!! Zloty. Ich verneine, zahle 14 Zloty und lasse mich nicht auf einen höheren Preis ein. Schliesslich gibt er auf und wir lassen den Abend in der Hotelbar ausklingen. Jetzt im Zelt lauschen wir dem Gitarrenspiel und Gesang einer Jugendgruppe am Seeufer - wie angenehm um in den Schlaf zu kommen.  

Unsere ständigen Begleiter.

Holzkirche in Ostrykol von 1667.

Holzkirche von Ostrykol von 1667.

Sie sind der

 

Besucher auf meiner Seite. Danke!