Marienburg
(Malbork)

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Die Marienburg von der Landseite im Morgenlicht.

 

Kreuzgänge vom Hof des Hochschlosses gesehen.

 

Kreuzgänge des Hochschlosses.

 

Palmengewölbe im Hochmeisterpalast.

 

Von der einst prächtigen  Marienkirche blieb nur eine mahnende Ruine.

 

Am späten Nachmittag zieht es die Fotografen auf die andere Seite der Nogat.


01.08.02

Blauer Himmel und kein Schmerz! Die 2 Kilometer zur Burg gehe ich zu Fuß, mein Knie soll heute radfrei haben. Die Burganlage ist von imposanter Größe. Die Marienburger Festung des deutschen Ordens gehörte im Mittelalter zu den größten Festungen Europas. Sie entstand vom 13. bis zum 15. Jahrhundert und wurde in dieser Zeit entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen aus.- und umgebaut.

Die Morgensonne beleuchtet zu meiner Freude gerade die Seite, welche ich gerade passiere; Arbeit für die Nikon. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite reihen sich Traktoren mit bis zu 3 Anhängern zu einer schier endlosen Kette aneinander. Die Schlange bestand schon am Campingplatzeingang und zieht sich am gesamten Weg zur Burg entlang. Gestern bei der Ankunft war mir diese Treckerversammlung schon aufgefallen, ich war aber mit dem Schmerz zu sehr beschäftigt, um darüber nachzudenken. Heute bin ich jedoch neugierig. Einige Bauern schlafen auf den mit Getreide beladenen Hängern, andere liegen unter den Wagen im Schatten. Später erfahre ich, dass es in Malbork ein großes Silo gibt, wo die Bauern ihre Ernte abliefern. Während der Getreideernte besteht diese Treckerschlange viele Tage lang. Eine harte Geduldsprobe für die Bauern, die mehrere Tage warten müssen, bis sie an der Reihe sind.

Auf dem Burghof schließe ich mich einer deutschsprachigen Gruppe an und erfahre so einiges über die Ordensritter und deren Leben auf der Burg. Persönlich gefiel mir nicht der protzige Hochmeisterpalast am besten, sondern der herrliche Innenhof der Hochburg, der mit seinen Kreuzgängen und Arkaden wirklich klösterlich anmutet. Wie viele große Bauwerke hatte auch die Marienburger Festung eine wechselvolle Geschichte. Die Ritter tauschten sie gegen ausstehenden Kriegslohn an böhmische Söldner, diese verkauften Sie dem polnischen König. Brände und Kriege setzten den Gebäuden arg zu, unter preußischer Herrschaft diente sie als Kaserne, später als Magazin. Die Burg verfiel schließlich immer mehr dem Ruin. Im auslaufenden 18. Jahrhundert kam jedoch der Romantizismus in Mode und rettete die Anlage. Anfang des 19. Jahrhunderts, begannen Konservierungsarbeiten der Romantiker. Der wissenschaftlich fundierte Wiederaufbau begann 1877 und dauerte bis 1945 an.

Im Frühjahr desselben Jahres wurde die Festung durch den 2. Weltkrieg schwer beschädigt, 50% der Gebäude wurden komplett zerstört. Fast 200 Jahre bauten die Ritter an der Burg, über 100 Jahre wurde an der Erhaltung gearbeitet, um dann alles in wenigen Tagen zu zerstören! Bald nach Kriegsende wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, die Arbeiten dauern bis heute an. Die Marienkirche ist erst in diesem Jahr für die Besichtigung freigegeben worden. Im Vorraum ist eine Ausstellung mit Fotos. Prächtige alte Fotos, welche vor dem Krieg entstanden und die bei der Rekonstruktion wertvolle Hilfen waren, aber auch schreckliche Vergleichsfotos von Trümmern und Ruinen. Daneben sind Fragmente von Ausstattungsstücken zu sehen. Unglaubliche Kunstschätze wurden endgültig zerstört, ein unvorstellbarer Verlust für die nachfolgenden Generationen. Die Marienkirche selbst ist eine gestützte Ruine. Nur die ausgestellten Fotos lassen den Glanz und die Pracht vergangener Zeiten erahnen.

Ich bin nachdenklich und etwas traurig, als ich nach der Besichtigung am Ufer der Nogat meine Cola trinke. Heute scheint es noch heißer zu sein als gestern, in einem richtigen Supermarkt erstehe ich etwas Obst und gehe zurück zum Campingplatz, wo ich mich ermattet hinlege und erst am späten Nachmittag wieder zu mir komme. Erfreut bemerke ich den Stand der Sonne, der schöne Fotos vom anderen Ufer der Nogat verspricht. Meine zweite Wanderung an diesem Tag zur Burg wird reichlich belohnt. Bilderbuchmäßig spiegelt sich die rot leuchtende Backsteinburg bei klarem Himmel im Wasser; ein Licht, aus dem Postkarten gemacht werden!

 

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